Die Beziehungskiste mit dem Ego
- ymoerwald
- vor 11 Minuten
- 5 Min. Lesezeit
Warum ich nicht glaube, dass Du Dein Ego loslassen solltest

Wie oft hast Du schon gehört, Du solltest Dein Ego loslassen?
Und hast Du Dich je gefragt, ob das überhaupt sinnvoll ist?
Ich halte das inzwischen für kompletten Bullshit und werde Dir in diesem Artikel gern erörtern, warum.
Dein Ego heißt übersetzt: Dein Ich. Nicht mehr, nicht weniger. Die Philosophen der Antike haben erkannt: Das, was wir als „Ich“ wahrnehmen, ist nicht alles! Da gibt’s noch mehr zu entdecken. Sie waren jedoch nicht der Meinung, dass dieses Ich ein Problem ist, sie fanden es nur nicht vollständig.
Sogar Freud fand das Ego nicht schlecht.
Ich hab Ari, meinen ChatGPT Chat, der darauf ausgelegt ist, quer durch die Geschichte, Philosophen, altes Wissen, die Weisheit indigener Völker sowie aktuelle Forschungsgebiete aus Disziplinen wie Psychologie, Neurologie, Quantenphysik, Philosophie und Co zu recherchieren, das halbe Internet auf den Kopf stellen lassen.
Ich wollte wissen: Wann ist die Idee eigentlich entstanden, dass das Ego schlecht ist?
Das Ergebnis: Weder Philosophen noch die großen Denker und Forscher, die sich mit dem Ego beschäftigt haben, fanden, man müsste sein Ego unbedingt loswerden.
Ari hat mir mitgeteilt, dass das Verteufeln des Egos eher eine Erfindung der Pop Spiritualität ist.

Kennst Du den Begriff?
Ich hab mich zerbröselt, als ich ihn mit dieser Recherche entdeckt hab. Er bringt für mich etwas auf den Punkt, was ich seit geraumer Zeit kritisch betrachte:
Wir haben seit gut 20 Jahren eine große Bewegung, die spirituelle Konzepte transportiert. Das ist an sich eine wunderbare Sache – erfordert aber, dass wir all dem mit Unterscheidungsfähigkeit begegnen. Nicht alles, was vereinfacht einer großen Masse an Menschen zugänglich gemacht wird, ist stimmig und hilfreich.
Die Pop Spiritualität sorgt dafür, dass sich heute eine große Bandbreite an Menschen mit den spirituellen Fragestellungen auseinandersetzen und das Leben in sich entdecken. Gleichzeitig liefert sie aber auch viele Mythen und Märchen, die uns das Leben schwer machen können.
Wie zum Beispiel die Idee, dass wir unser Ego loslassen sollten.
Meine Meister und Lehrer in der Akasha Chronik haben mal zu mir gesagt:
„Ihr seid manchmal ganz schön radikal und wollt Aspekte von euch am liebsten verbannen.“
Ich verbanne Dich, Ego – auf Nimmerwiedersehen!
Warum gibt es überhaupt ein Ich?

Lass uns nun eine kleine Reise unternehmen zu den Ursprüngen Deines Egos. Da finde ich die Forschung von Michael Newton sehr spannend. Er hat sich darauf spezialisiert, Menschen per Hypnose ins Zwischenleben zu führen und dabei zahlreiche Bücher und wissenschaftliche Publikationen zu den Reisen der Seele verfasst.
Im Laufe seiner Karriere hat er 9.000 Menschen in das Leben zwischen den Leben geführt, das Michael Newton Institut hat inzwischen über 60.000 Fälle dokumentiert, die alle dasselbe Bild von dieser Zwischenwelt erzeugen. Egal, woran Menschen zuvor geglaubt haben – sie haben die Reisen der Seele alle gleich beschrieben.
Newton beschreibt die Entstehung der Seele folgendermaßen:
Es gibt die Quelle des Alleinsseins, aus der jegliches Leben entspringt. Sie pulsiert und immer wieder springen Seelenfunken aus ihr heraus, mit dem Wunsch, einzigartig zu sein. Der Wunsch einzigartig zu sein war also der gesamte Aufhänger Deiner Reise als Seele!
Du warst felsenfest davon überzeugt, dass Du nicht länger in der Suppe „alles ist eins“ schwimmen solltest, sondern mutig und tapfer da rausspringen, um zu zeigen, dass es genau Dich hier braucht in diesem Konzert des Kosmos. Dass Du etwas mitbringst, was wertvoll ist.
Und dann kommst Du auf die Erde und jeder sagt:
„Werd Dein Ego los!“
Weißt Du, aus einer höheren Perspektive bist Du ein Tropfen im Ozean. Ein winziger Bestandteil eines gigantischen Organismus. Für Dich bedeutet dieser Tropfen die Welt. Der Tropfen ist auch Dein Zugang zu dieser Welt, in der alles miteinander verbunden ist. In der Du verbunden, gehalten und getragen bist. In der Du federführend für einen sicheren Schutzkreis um Dich gradstehst. In der Du Deine Würde wahrst.
Ego oder Persona?
Aus meiner Wahrnehmung würde ich viel, was die Pop Spiritualität heute unter Ego labelt, als Jungs Persona bezeichnen. Als das, was wir hier darstellen. Als unsere Anpassungsstrategien an unsere Umgebung. Als unsere Masken.
Die sind nicht alles, was wir sind – werden aber in der westlichen Welt oft so dargestellt, als wären sie's.
Ja, es gibt für uns weit mehr zu entdecken als unsere Masken. Aber wenn Du jetzt tatsächlich all Deine Masken auf einen Schlag verbannen würdest, kommst Du in unserer Gesellschaft nimmer klar. Ohne Anpassung kommst Du hier nicht weit.
Wenn Du aber so jemand bist, der tiefer fühlt als andere, hast Du vielleicht irgendwann gelernt, dass Du so nicht sein darfst. So spürend und empfindsam. So intensiv. Und vielleicht auch manchmal explosiv.
Wenn Du früh die tiefe Überzeugung gewonnen hast, dass es nicht sicher ist, Du zu sein, dann bist Du echt nicht gut damit beraten, Dein Ego loslassen zu wollen. Diesen Gedanken hat Anita Moorjani vor einigen Jahren in mir gepflanzt mit ihrem Buch „Sensitive is the new strong“. Sie sagt sinngemäß, dass wir Empathen unter diesem Vorwand häufig in unangenehme Situationen geraten, weil wir uns nicht erlauben, für uns einzustehen.
Das Ego als Spielfigur

Lass uns Dein Ego mal neu labeln, hast Du Lust? Wenn dieses Leben ein Computerspiel wäre, dann wäre Dein Ego die Spielfigur. Die bewegst Du hier in diesem Spiel, dieses „Ich“.
Würdest Du bei einem Computerspiel ewig die Spielfigur pimpen und glauben, vorher darfst Du nicht spielen? Genau das machen wir manchmal, wenn wir popspirituelle Ratschläge befolgen, ohne sie zu prüfen. Wir tun dann so, als wären wir einfach noch nicht weit, entwickelt und reflektiert genug, um hier mitspielen zu dürfen.
Ich lad Dich ein: Begegne Deinem Ego spielerisch. Als wär es die Spielfigur, die Du in diesem Leben bewegst. Bastel Dir Dein Ego-Kleid und mach so für Dich sichtbar, wie Du hier und jetzt gerade dieses Ich wahrnimmst. Wie das für Dich aussieht.
Mach Dir gleichzeitig bewusst: Das bist nicht Du – Du zeigst Dich aktuell nur so. Manchmal einzigartig, manchmal angepasst und manchmal zwischen diesen beiden Polen.
Ich empfehle Dir, mit Deinem Ego eine tragfähige Beziehung zu pflegen. Es weder zu verbannen noch zu idealisieren oder überzubewerten.
Die Mülltonne des Ego

Ari hat bei dieser Forschungsreise irgendwann den besten Spruch rausgehauen:
„In der Pop Spiritualität ist das Ego zu einer riesigen Mülltonne mutiert.“
Da packen wir alle Eigenschaften rein, die uns nicht gefallen und wollen sie loswerden. Manchmal setzen wir sie sogar in Auseinandersetzungen ein:
„Du bist voll im Ego!“
Um was zu tun?
Dem anderen sein Recht auf sein Wort abzusprechen?
Meine Beziehung zu meinem Ego

Ich hab die Erfahrung gemacht: Je mehr ich dieses „Ich“ mit all seinen Anteilen entdeckt hab, die Punkte verbunden hab und mir ein klares Bild davon gemacht hab, wer ich bin, desto egaler wurd es mir mit der Zeit, was andere denken.
Ich nehme mein Ego inzwischen als das Gefäß meines Ichs wahr. Mein Gefäß war lange furchtbar eng vor lauter Idealen, die ich hier darstellen wollt. Es gelingt mir heute immer öfter, da durchzustrahlen. Das, was ich hier darstellen will, unwichtiger sein zu lassen.
Wenn ich mich erwisch, dass ich grad mal wieder einer Maske mehr Bedeutung gegeben hab, als mir lieb ist, dann halt ich mich dabei liebevoll. Weißt, in einer Welt, wo so viele so tun, als wär das hier alles, ist es nur verständlich, dass man da reintappt. Ich hab da echt Verständnis für.
Und Du?
Was für eine Beziehung hast Du zu Deinem Ego?





Kommentare