Ich bin nicht mein Etikett - vom Label zur Freiheit
- ymoerwald
- 11. Apr. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Hat Dir schon einmal ein Etikett dabei geholfen, liebevoller mit Dir zu sein? Weil Du Dich plötzlich verstanden gefühlt hast? Es auf einmal okay war, zu fühlen, was Du fühlst?
Ein Beispiel: Vielleicht hast Du zum ersten Mal von "hochsensibel" gehört – und plötzlich wurde klar, warum Dir volle Räume zu viel sind, warum Du so intensiv fühlst, warum Du Stimmungen im Raum sofort spürst. Und für einen Moment war es eine Erleichterung: Ah, das ist also nichts Komisches. Ich bin nicht allein.
Ja, solche Etiketten können zutiefst heilsam sein. Sie geben uns Worte für das, was wir erleben. Sie geben uns ein Stück Zugehörigkeit. Ein "Ich bin nicht allein damit."
Doch wenn wir nicht achtsam sind, schnüren uns diese Labels still und leise ins nächste Korsett. Sie geben uns ein Stück Erklärung – aber auch neue Regeln. Neue Erwartungen. Und manchmal: eine neue Ausrede, uns selbst nicht ganz zu zeigen.
Die Suche nach einem Grund – und warum sie Dich nicht definiert
Ich selbst habe mich lange gefragt, warum ich so intensiv reagiere, so tief empfinde, warum mich Dinge berühren, die andere kalt lassen. Schon als Kind habe ich begonnen, mich anzupassen, um dazuzugehören. Später suchte ich Erklärungen. Warum ich so bin. Warum ich so viel wahrnehme. Warum mir manches einfach zu viel ist.

Ich fand Etiketten. Hochsensibel. Scanner. Sternensaat. Sie gaben mir Worte, Rahmen, Zugehörigkeit. Und für eine Zeit lang war das heilsam. Es fühlte sich an wie ein Zuhause.
Doch irgendwann habe ich gemerkt: Für jedes Verhalten gibt es einen tieferen Grund. Wenn ich diesen Grund entdecke, hilft mir das, mir in Liebe zu begegnen. Ich habe dann aber für mich entschieden: Ich brauche nicht immer einen Grund. Ich halte mir selbst den liebevollen Raum so zu sein, wie ich bin. Auch wenn ich keine Erklärung dafür habe.
Etiketten, die trösten und trotzdem begrenzen
Für mich war es ein Geschenk, Begriffe wie "Scanner-Persönlichkeit" oder auch "Sternensaat" kennenzulernen. Sie gaben mir Raum, mich zu verstehen. Aber irgendwann wurde mir klar: Sie gaben mir nicht mehr Raum – sondern nahmen mir welchen.
Denn jedes Etikett ist auch eine Schublade. Selbst die scheinbar liebevollen.
So wie das Wort "Opfer". Wie oft habe ich alles versucht, nur um nicht in dieser Schublade zu landen? Wie oft habe ich mich selbst zurückgehalten, aus Angst, in irgendeiner solchen Schublade zu landen?
Freiheit beginnt jenseits der Schubladen

Wirkliche Freiheit beginnt dort, wo wir aufhören, uns über unsere Etiketten zu definieren. Dort, wo wir uns erlauben, zu sein, ohne uns zu erklären. Ohne zu passen. Ohne einordnen zu müssen.
Du bist kein Etikett. Du bist ein lebendiger, sich wandelnder Ausdruck von Bewusstsein.
Wenn wir aufhören, uns selbst in Schubladen zu stecken, beginnt etwas Magisches: Wir atmen weiter. Wir erlauben uns, zu fühlen, ohne es sofort zu labeln. Wir nehmen uns an, ohne vorher eine Diagnose zu brauchen. Wir können uns selbst entdecken, ohne uns dafür in eine Schublade zu packen.
Was auch immer Du an Dir entdeckst: es gibt dafür immer einen tieferen Grund. Wenn Du diesen Grund erkennst, wird es einfacher für Dich, diesen Aspekt von Dir zu akzeptieren. Mit der Zeit stellst Du fest: Du brauchst gar nicht jeden Grund kennen und darfst Dich trotzdem liebevoll halten. Bei Dir bleiben und Dich liebevoll annehmen, wie Du bist. Auch wenn es dafür gerade keine Begründung, Schublade oder kein Etikett gibt.





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