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Wenn Du für Dich einstehst

Warum Narzissmus nicht das Ende der Geschichte ist.

Wie kann ich schädliches Verhalten klar begrenzen, ohne den Menschen dahinter zum Problem erklären zu müssen?


Wenn Du beginnst Deine Emotionen als Kompass zu nutzen, wenn Deine Wut Dein schützender Wachhund an Deiner Seite sein darf, gehst Du zunehmend aufrecht durchs Leben. Du spürst schnell, wenn etwas in Deinem Raum nicht stimmt. Du kannst klarere Entscheidungen treffen. Du duckst Dich nicht mehr weg, nur weil sich jemand über Dich stellt, sondern Du stehst für Dich ein.


Doch weißt Du, was dann passiert? Manche Menschen werden Dich feiern. Andere werden irritiert sein. Und wieder andere werden versuchen, Dich wieder dorthin zurückzuschieben, wo Du vorher warst: klein, angepasst und bequem.


Es wird Menschen geben, die genau diese neue Fähigkeit, die Du gelernt hast, herausfordern. Nicht unbedingt, weil sie böse sind. Sondern weil Dein neues Verhalten ihr bisheriges Gleichgewicht verändert.


Heutzutage wird Dir schnell jemand sagen: „Das ist halt ein Narzisst!“

Lass uns nun gemeinsam eruieren – stimmt das?


Warum wir heute überall Narzissten sehen

Ist Dir auch schon aufgefallen, dass es grad jeder mit mindestens einem Narzissten zu tun hat?


Dein Ex? Eindeutig ein Narzisst!

Dein Chef? 100% narzisstisch.

Deine Mutter eh.

Warum eigentlich?


 Ich glaube, dass unsere Welt Menschen, die schnell und scheinbar leicht Entscheidungen treffen, belohnt hat. Entschlossenheit wird oft mit Kompetenz verwechselt. Egal ob die Entscheidungen Hand und Fuß haben. Wir merken oft erst viel später, ob eine Entscheidung für das Gemeinwohl gut war.


Meine Wahrnehmung ist, dass wir in Chefetagen, politischen Reihen und Co sehr viele Menschen sitzen haben, denen es weniger um die Sache und ihren positiven Einfluss geht, als um ihren persönlichen Vorteil, ihren Status und ihr Ansehen.


Jetzt passiert aber was mit den Menschen: immer mehr Menschen richten sich innerlich auf! Immer mehr Menschen spüren, dass unsere Gefühle kein Fehler der Natur sind, sondern unser Kompass. Dadurch wird immer stärker sichtbar, wer das Gemeinwohl im Visier hat und wer sich größer machen will, als er ist. 


Immer mehr Machtstrukturen geraten ins Wanken. Es wird immer schwieriger zu verstecken, dass man nur aus niederen Motiven oder zum eigenen Vorteil gehandelt und dabei anderen geschadet hat. 


So wird heute narzisstisches Verhalten plötzlich sichtbar. Darum ist es in aller Munde.


Was macht dieser Begriff mit uns?

Ich habe Dir ja in meinem letzten Blogartikel „Innere Aufrichtung“ von meinem schwierigen Gespräch erzählt, bei dem ich mein Gegenüber an meiner Empörung abprallen lassen habe.

Vor diesem Gespräch hat mir jemand gesagt: „Das ist ein Narzisst“. Im ersten Moment hat sich das total gut angefühlt. Aaah, alles klar – der ist also einfach falsch. Als ich dann aber beobachtet habe, was diese Information mit mir macht, habe ich bemerkt, dass ich das eigentlich nicht gutheiße.


Ich glaube wir neigen manchmal zur Entmenschlichung. Na wenn der ein Narzisst ist, dann brauchst Du ihm jetzt auch nicht mehr mit Würde und Respekt zu begegnen – mach ihn fertig!

Ist das wirklich die Lösung?


Haben wir den streng urteilenden Moralapostel nicht gerade in den Urlaub geschickt?

Ich wollte es also genauer wissen.


Was ist Narzissmus überhaupt?

Ich hab meinen Musterjäger Ari mit dem Begriff das Internet auf den Kopf stellen lassen. Er stellte fest: Je häufiger Menschen das Wort Narzissmus benutzen, desto seltener scheint noch klar zu sein, was sie eigentlich meinen.


Für die einen ist Narzissmus ein psychisches Krankheitsbild, für andere ist es Egoismus, für wieder andere Manipulation oder fehlende Empathie und Selbstverliebtheit.


Darum haben wir unsere Forschungsreise damit begonnen zu fragen: Wie ist dieser Begriff überhaupt entstanden?


Der Mythos Narziss - verliebt ins Spiegelbild

Retro-Poster: Frau in rotem Kleid und kniender Mann am See; Maske im Wasser, UFO oben, Text: Narziss liebt sich selbst.

Der Begriff Narzissmus beginnt nicht in der Psychologie, sondern in einem Mythos. Narziss war ein außergewöhnlich schöner junger Mann. Viele Menschen verliebten sich in ihn. Er selbst jedoch war unfähig, ihnen wirklich zu begegnen.


Eines Tages blickte er in das Spiegelbild eines stillen Gewässers. Er verliebte sich in dieses Bild. Nicht in sich selbst, sondern in das Bild von sich. Er konnte den Blick nicht mehr lösen, erstarrte - und ging schließlich zugrunde.


Narziss hat den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Er konnte seinem Spiegelbild näher sein als einem lebendigen Menschen. Diese Verliebtheit in das eigene Selbstbild mit der Bereitschaft es um jeden Preis zu schützen finden wir auch heute noch, wenn wir von Narzissmus sprechen.


Freud - natürlicher, gesunder Narzissmus

Als Sigmund Freud den Begriff später in die Psychologie übernimmt, verändert sich seine Bedeutung. Für ihn beschreibt Narzissmus zunächst etwas völlig Natürliches. Jeder Mensch beginnt sein Leben narzisstisch. Als Säugling erleben wir die Welt zunächst aus unserer eigenen Perspektive. Das ist unsere natürliche Entwicklung und gesund.


Freud spricht von einem primären Narzissmus. Erst später lernen wir, andere Menschen als eigenständige Wesen wahrzunehmen. Interessant ist: Für Freud war Narzissmus also zunächst keine Störung, sondern eine notwendige Entwicklungsphase.


Das fand ich spannend. Von einem gesunden, natürlichen Narzissmus habe ich in der aktuellen Debatte noch nicht gehört. Wir verwenden ja Narzissmus heute eher als Schimpfwort.


Kohut - ein brüchiges Selbstgefühl sucht Stabilität

Retro-Poster: Frau baut Kartenhaus, Kind mit Schild Siehst Du mich?, deutsche Sprüche wie Ein brüchiges Selbstgefühl sucht Stabilität.

Viele Jahrzehnte später schaut Heinz Kohut noch einmal ganz anders hin. Er fragt nicht: Warum ist ein Mensch narzisstisch? Sondern: Was hat diesem Menschen gefehlt?

Kohut vermutet, dass viele narzisstische Entwicklungen entstehen, wenn Kinder in ihrer frühen Entwicklung zu wenig gesehen, zu wenig gespiegelt oder nur unter Bedingungen angenommen wurden.


Nicht Größenfantasien stehen im Mittelpunkt. Sondern ein brüchiges Selbstgefühl, das ständig Stabilität sucht. Ich denke jedes Verhalten lässt sich anhand der eigenen Geschichte erklären. Narzissmus als der verzweifelte Versuch Sicherheit durch ein starkes Selbstbild zu erzeugen, fühlt sich für mich stimmig an.


Die heutige Forschung

Heute beschreibt die Psychologie Narzissmus meist als Spektrum. Nicht als Entweder/ oder. Jeder Mensch besitzt narzisstische Anteile. Sie helfen uns, für uns einzustehen, uns wichtig zu nehmen und unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen.


Erst wenn diese Anteile extrem werden, wenn Bewunderungsbedürfnis, fehlende Empathie und Ausbeutung anderer dauerhaft das Leben bestimmen, spricht man von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Diese betrifft nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Die meisten Menschen, die wir im Alltag als „narzisstisch“ bezeichnen, erfüllen diese Diagnose gar nicht.


Ari, mein Musterjäger, fasste seine Recherche so zusammen: „Quer durch Mythologie, Psychoanalyse und moderne Forschung taucht immer wieder dasselbe Muster auf. Nicht Selbstliebe, nicht Egoismus, sondern eine Diskrepanz zwischen dem inneren Erleben und der Wirklichkeit. Alle beschreiben sie auf unterschiedliche Weise denselben Konflikt:

Ein Mensch sucht Sicherheit für sein Selbst.

Die Wege dorthin unterscheiden sich. Das Muster dahinter erstaunlich wenig.“


Spannend. Also sucht der Narzisst dasselbe wie ich? Nur von einer anderen Seite?


Handelt ein Narzisst aus Unsicherheit?


Ich weiß, dass dieser Gedanke schwer auszuhalten ist. Wer schon einmal mit einem Narzissten zu tun hatte, kann sich das erstmal gar nicht vorstellen. Bei jemandem, der so kontrollierend und manipulierend unterwegs ist.


Es geht mir an der Stelle nicht darum, Dir zu sagen: hab doch Mitgefühl mit dem armen Narzissten. Schau ihn Dir doch an, wie unsicher er ist. Wenn Du empathisch bist, hast Du wahrscheinlich mehr als genug Mitgefühl! Dass Du Dir manchmal mehr Sorgen um Dein Gegenüber machst, ist der Grund, warum Du Dich oft kleinmachen lassen hast. Dem lieben Frieden zuliebe hast Du halt geschluckt. Diesen Fake Frieden suchen wir auf dieser Forschungsreise nicht. Wir erleben aber auch keinen Frieden, wenn wir unserem Gegenüber den Stempel aufdrücken und ihn herabwürdigen.


In mir hat diese Forschungsreise einen spannenden Gedanken gepflanzt: Vielleicht suchen Narzissten und Empathen dasselbe: Sicherheit. Der eine durch Kontrolle, der andere durch Anpassung.

Retro-Poster mit drei Figuren an Weggabelung, Schildern und Sprechblasen; Titel EntScheidungen, unten Nicht schneller, sondern stimmiger.

Ich denke wir leben in einer Zeit, in der es immer mehr Menschen schwerfällt, Entscheidungen zu treffen. Aus Angst Fehler zu machen, schieben viele Menschen Entscheidungen vor sich her. Ich kenne das nur zu gut.


Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Anteilen wirken oft wie das genaue Gegenteil: sie entscheiden klar, schnell, zweifeln nicht. Sie wissen genau was sie wollen:  ihr Selbstbild schützen - ohne Rücksicht auf Verluste.


Das Etikett hilft – bis es nicht mehr hilft.

Wenn Dir jemand sagt: Hey, Dein Gegenüber ist ein Narzisst! Dann kann das eine enorme Erleichterung sein. Aaah, endlich bist es mal nicht Du, die hier falsch ist. Der ist ein Narzisst! Endlich wird Deine Wahrnehmung, dass hier etwas nicht stimmt, bestätigt. Das, was Du erlebt hast, bekommt einen Namen, einen Rahmen. Nach all der Schuldumkehr wird endlich benannt, wo das eigentliche Problem liegt.


Diese Erleichterung ist wertvoll und wichtig. Sie hilft Dir ungemein bei Deiner inneren Aufrichtung. Sie ist ein wesentlicher Schritt dabei, Dir selbst und Deiner Wahrnehmung wieder mehr zu vertrauen.


Das Problem ist nicht, dass Dir dieses Etikett hilft – wenn Deine Reise aber dort endet, kann das zu einem Problem werden. Denn, was macht man mit einem Narzissten? Am besten lässt man ihn auffliegen, oder?


Da hat sich ja schon manch einer die Zähne ausgebissen am Narzissten. Ich denke nicht, dass das der sinnvollste Weg ist, einem Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Zügen zu begegnen. Weil es ein Kampf ist. Ein Kampf auf der Frequenz der Scham. Wenn wir jemandem den Narzissmus-Stempel aufdrücken, sagen wir: Du bist falsch. So, wie Du, darf man nicht sein.

Für einen Moment verschafft uns das enorme Erleichterung – schließlich liegt es ja dann endlich einmal nicht an uns, wenn das Radel im Dreck läuft.


Das Problem ist aber: der Moralapostel, den wir zuvor auf Reisen geschickt haben, ist dann plötzlich wieder da. Mit erhobenem Zeigefinger! Ja, für einige kurze, süße Momente richtet er nicht über uns, sondern über unser Gegenüber! Aber eh wir uns versehen gibt er bei uns wieder den Takt an.

Satirische Gerichtsszene: Frau betritt den Saal, Richter und Menge zeigen anklagend; Text: Ich tausche den Richter nicht aus.

Wenn wir aus der Nummer mit den Urteilen aussteigen wollen, wird es uns nur schwer gelingen, das bei uns nicht mehr zu tun, bei anderen aber schon. Ich glaube nicht, dass wir Frieden finden, indem wir den Richter einfach austauschen. Erst warst Du angeklagt, jetzt ist er angeklagt – der Richter bleibt derselbe.


Falls Du Dir jetzt denkst: Was labert die da? Ich soll den Narzissten nicht verurteilen? Versteh mich bitte nicht falsch, ich möchte Dich nicht dazu einladen, narzisstisches Verhalten zu entschuldigen. Ich möchte damit auch Deine Wut in keinster Weise zügeln. Falls nicht schon geschehen, lies hier bitte Teil 1 dieses Artikels, wo es darum geht, diese wundervolle Urkraft für Deine Aufrichtung zu nutzen.


Ich mag hier nicht den Moralapostel spielen, der Dir sagt: verurteile doch den armen Narzissten nicht. Im Gegenteil, ich sag: schnapp Dir Deine Empörung und lass ihn abprallen! Wehre Dich gegen sein schadhaftes Verhalten. Und gleichzeitig: bezeichne es als Verhalten.


Bezeichne das Verhalten – nicht den Menschen

Frau mit Zauberstab vertreibt Rauchworte wie Schuld und Kritik von einem schockierten Mann; Schrift: Nicht Du. Dieses Verhalten.

Wenn Du sagst: Du bist ein Narzisst! Packst Du ihn in eine Schublade und lehnst sein gesamtes Wesen ab. Du kannst es komplett ablehnen mit einem Menschen Deine kostbare Lebenszeit zu vergeuden und brauchst ihn trotzdem nicht zu entmenschlichen. Du brauchst ihm keinen Platz mehr in Deinem Leben zu geben und kannst ihm trotzdem seine Würde lassen.


Ich sag das übrigens nicht, weil ich die armen Narzissten, denen ihre Luftschlösser jetzt um die Ohren fliegen, schützen will – sondern weil ich Dich schützen will.


Es gibt da nämlich ein Problem. Wenn Du sagst, dass der Narzisst falsch ist – dann wirst Du jegliches narzisstisches Verhalten ablehnen. Wir haben ja aber durch Aris Forschung erfahren, dass es auch gesunden Narzissmus gibt.

Retro-Poster mit Frau in Lichtblase und Hund; Texte wie Nicht alles muss mein Herz erreichen und Mein Fuck-Off-Shield.

Mein Fuck Off Shield ist eigentlich eine gesunde Form von Narzissmus. Mich zu entscheiden meine Würde nicht mehr zu verhandeln, beinhaltet eine gewisse Ignoranz gegenüber dem, was andere über mich sagen und denken könnten. Die Bereitschaft, mich nicht mehr über das zu definieren, was andere über mich denken, ist auch die Entscheidung mich nicht mehr mit jeder Realität zu verbinden. 


Vielleicht ist das genau der gesunde Narzissmus, von dem Freud gesprochen hat: die Fähigkeit, nicht jede fremde Meinung zum Maßstab meiner Identität zu machen.

Jetzt könnten wir uns darüber streiten ab wann das Verhalten zum Problem wird, aber ich mag Dich zu einer anderen Betrachtung einladen:


Narzissmus und Kleinmachen sind zwei Seiten derselben Münze

Ich denke Narzissten und Empathen versuchen dasselbe: sie versuchen Sicherheit herzustellen. Der eine durch Kontrolle, der andere durch Anpassung. Beide verlieren auf unterschiedliche Weise manchmal den Kontakt zur Wirklichkeit. Der Empath verliert den Kontakt zur Realität, weil er dem anderen mehr glaubt. Der Narzisst verliert den Kontakt zur Wirklichkeit, weil er sein Selbstbild über alles stellt.


Wir sind es ja gewohnt, dass wir die Welt durch die Polarität wahrnehmen. Es gibt gut, schlecht, richtig, falsch, weiß und schwarz. Meine Wahrnehmung ist aber zunehmend, dass das eigentlich die Spannungsfelder sind, zwischen denen wir uns bewegen.


Das Spannungsfeld des Narzissmus erstreckt sich von völliger Selbstverliebtheit zu völliger Selbstabwertung und Unterwerfung. Beides geschieht aus Unsicherheit, beides sind unbeholfene Versuche die Welt sicher zu machen, indem wir uns entweder wegducken oder alles kontrollieren. Beide Versuche verlieren manchmal den Kontakt zur Realität.


Der Unterwerfende nimmt Schuld auf sich, der Unterdrücker gibt sie ab. Beide versuchen verzweifelt, sich ihren Platz im Gefüge zu sichern. Während der Empath jede Kritik als Anlass nimmt, sich daran innerlich aufzureiben, sich unter Druck zu setzen, es künftig besser zu machen, ist der Narzisst am anderen Ende des Spektrums scheinbar immun gegen jegliches Feedback.


Der angepasste Mensch wägt oft endlos ab: Ist das richtig? Verletze ich jemanden? Was denken die anderen? Dadurch werden Entscheidungen manchmal kaum noch möglich. Der narzisstisch organisierte Mensch wirkt oft genau gegenteilig. Er entscheidet schnell, klar, ohne zu zweifeln. Nicht unbedingt, weil seine Entscheidungen besser sind, sondern weil sein inneres Ziel glasklar ist: das Selbstbild darf nicht ins Wanken geraten.

   

Keiner von beiden steht wirklich aufrecht, mit geradem Rückgrat im Leben. Unsicherheit ist der gemeinsame Nenner. Nur die Strategie dieser Unsicherheit zu begegnen ist eine andere.

Wenn narzisstisches Verhalten in Deiner Bewertung als Todsünde gehändelt wird, verweigerst Du Dir den Zugang zu dem Verhalten, das Dir hilft, wenn Du es mit jemandem zu tun hast, der Dich gern kleinmachen will. Wenn Du jedes Wort, was der sagt, auf Dich beziehst, an Dich ranlässt, dann gehst Du zugrunde daran. Du darfst den Kontakt zu dieser Frequenz kappen.

Nicht weil der andere nichts wert ist – sondern weil Dein Nervensystem lernen darf, dass nicht jede Stimme Zugang zu Deinem innersten Kern bekommt.


Ja, das kannst Du tun, indem Du den Menschen aus Deinem Leben streichst. Am nachhaltigsten funktioniert das allerdings, wenn Du Dir dafür ein inneres Schutzschild baust: Ein Fuck Off Shield. Ein Schutzschild, geführt von Deiner Empörung, das dafür sorgt, dass Du die Worte, die Du hier empfängst, nicht als Anlass nimmst, um Dich selbst zu hinterfragen.


Jeder handelt und spricht, wie es ihm entspricht

Was Dein Gegenüber sagt, hat tatsächlich mehr mit ihm zu tun, als mit Dir! Du kannst offen für Feedback sein und dabei klare Grenzen zu haben, auf welcher Frequenz Du keines empfängst. Wo Du es abprallen lässt. Gesunden Narzissmus lebst. Bei Dir bleibst und zu Dir hältst.


Wir Menschen haben alle unterschiedliche Bewertungssysteme, die aus unserer Prägung entstanden sind. Wenn Du mehrere Menschen um ein Urteil bittest, wirst Du ganz verschiedene Meinungen bekommen, je nachdem wie diese Menschen geprägt sind. Das verrät Dir erst einmal etwas über ihre Prägung. Nun kannst Du aus jedem Feedback etwas Wertvolles für Dich ziehen – solange Deine eigene Meinung zu Dir oder der Sache für Dich gewichtiger ist, als die Deines Gegenübers.


Alles, was mir geschieht, ist eine Einladung zu wachsen

Das macht das Geschehene nicht richtig. Es macht auch den Täter nicht richtig. Es eröffnet mir aber die Möglichkeit, an dem Geschehen zu wachsen.


Weißt Du, wenn Du gerade einen heftigen Prozess mit einem Narzissten am Laufen hast, dann macht das Leben das nicht mit Dir, um Dich zu quälen. Du erlebst das auch nicht, weil Du etwas falsch gemacht hast.


Ich denke Du erlebst das, weil Deine Seele will, dass Du weißt, wie kraftvoll Du bist. Dass Du sogar dann noch aufrecht stehen kannst, wenn Dein Gegenüber wirklich richtig üble Mittel zum Einsatz bringt. Gar keine Grenzen achtet.


Wenn Du in dieser Situation nicht den Narzissmus verteufelst, sondern klar das Verhalten benennst, das Deine Grenze überschreitet, hast Du viel bessere Chancen, den Narzissten zu entlarven.


Solange Du jedem beweisen willst, dass er eigentlich der Blöde, der Falsche und der Böse hier ist, lässt Du Dich auf das Spiel ein, dass hier gezeigt wird, wer besser ist, wer mehr glänzt. Darin sind Narzissten wirklich gut. Hier haben schon oft die „Guten“ den Kürzeren gezogen.

Vintage-Plakat: Frau steigt aus dem „Sicherheits-Karussell“; Schilder zu Lob, Likes, Erfolg; Text: Ich steige aus dem Spiel aus.

Wenn Du hingegen konsequent nicht die gesamte Person, sondern das Verhalten adressierst, kannst Du dieses tatsächlich sichtbar machen. Du verhedderst Dich nicht und handelst klar.

Du steigst aus aus dem gesamten Spiel, in dem Sicherheit etwas ist, was Dir jemand im Außen verleiht und erlebst diese Sicherheit zunehmend in Dir. Weil Du bei Dir bleibst. Weil es gar nicht mehr darum geht, wer hier falsch ist, sondern klar und deutlich Deine Grenze zu kommunizieren. Deinen Raum zu halten.


Du brauchst nicht vollkommen resistent gegenüber jeglicher Rückmeldung zu werden, aber um beim Narzissten nicht einzuknicken ist es unendlich wertvoll, wenn Du Dir erlaubst, dass nicht alles Dein Herz berührt. Wenn Du entscheiden kannst, wann Du etwas abprallen lässt.


Der Vorteil davon ist, dass Du vielleicht bald feststellst, dass manche, die Du in die Schublade: „Das ist ein Narzisst“ gepackt hast, da eigentlich gar nicht hineingehören. Wenn Du Dich innerlich aufrichtest, hören manche Menschen einfach auf damit, sich über Dich zu stellen.

Ja, manche machen weiter. Egal wie klar Du Deine Grenze ziehst. Da hilft Dir Deine Wut dabei Dein Revier so abzustecken, dass Du wieder Sicherheit herstellst. Und ja, manchmal ist das alles andere als einfach.

Vintage-Poster mit drei Frauen: Unterwerfung, Würde/Aufrichtung, Dominanz; unten Die Wahl liegt bei Dir.

Je mehr Du Dich innerlich aufrichtest, desto einfacher wird es mit der Zeit. Je weniger Du jemanden in eine Schublade stecken musst, je weniger Du Deinen Zeigefinger erheben musst, desto weniger geht es mit der Zeit darum, wer eigentlich oben oder unten ist. Du bist aufrecht, klar und präsent. Weder größer noch kleiner, einfach bei Dir.


Unterwerfung und Dominanz sind die Pole, zwischen denen die Spiele rund um Narzissmus stattfinden. Ich denke die Kunst beim Halten dieser Spannung ist es, etwas Drittes entstehen zu lassen: Aufrichtung. Aufrichtung entsteht aus dem Spüren der inneren Wahrheit heraus, aus einer tiefen Verbindung mit sich selbst. Aufrecht zu stehen für die eigene Wahrheit und es meinem Gegenüber zu erlauben, seine eigene Wahrheit zu machen. Seine eigene Wahrheit weder zu beugen, noch über den anderen zu stellen.

 

Vielleicht ist genau das Würde. Nicht über Dir, nicht unter Dir, sondern mit beiden Füßen auf dem Boden. Aus dieser aufrechten Haltung zeigt sich oft ein Weg, bei dem keiner falsch ist und beide ihre Würde wahren. 

 

Diese Forschungsreise hat eine Frage berührt, die ich mir schon lange stelle:


Vintage-Poster mit Menschen, die gemeinsam ein Netz spannen; Texte: Eine Gemeinschaft, die trägt und Gemeinsam stark.

Wenn wir eine Gemeinschaft aufbauen wollen, die trägt – wie begegnen wir dann den Menschen, deren Verhalten unser Netz zerreißt?


Darum geht es im 3. Artikel dieser Serie.









 
 
 

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